Kalt weht der Wind. Wir haben noch nicht Dezember. Der kalte Wind umtost das Haus. Wir haben noch nicht Dezember, doch schon ist es unerträglich, dem Tosen des Windes zuzuhören. Die Dezemberstürme hier sind nicht auszuhalten. Noch ist es nicht soweit, doch der Wind bläst schon jetzt mit Kraft und Macht und Intensität. Und im warmen Haus ist es ein Pfeifen und Fauchen, das vom Wind herrührt. Es ist nicht allzu laut, aber begleitet doch deutlich hörbar den Tag. Der Winter hat noch nicht angefangen, aber in den Stürmen des Herbstes ist er schon deutlich zu hören. Wie soll es bloß im Dezember werden?
Noch ist das Haus warm und angenehm. Doch wer den großen Fenstern zu nahe kommt, spürt den Wind, wie er versucht, hineinzukommen. Es ist zugig am Fenster. Und doch steht auch die warme Heizung dort. Wer aus dem Fenster schauen möchte, erkältet sich leicht. So ist es jedes Jahr. Trotzdem schauen wir aus dem Fenster hinaus. Es ist noch nicht Dezember. An einigen Bäumen kleben noch vereinzelte Blätter. Die Blätter fallen den Bäumen immer von der Mitte her zuerst aus. Die Blätter an den Spitzen der Äste halten sich wacker. Der Wind zerzaust die Bäume und schaukelt die Spitzen der Äste heftig hin und her. Wie lange werden sich die wenigen, schon gelb gewordenen Blättern noch an den Bäumen halten können?
Wolken ziehen über den grauen Novemberhimmel. Die dunstig gewordene Sonne dringt durch die Wolken hindurch, seltsam fade erscheinen die Lichtspiele an den Wänden, die einst einem mediterranen Schattentheater Schauplatz waren. Gebrochen und zart ist das graue Novemberlicht, wie in einem Aquarell dahingehaucht, in einem trübsinnigen Aquarell, das aus seiner Farbpalette alle bunten Farben verbannt hat. Vielleicht ist der Himmel nicht grau. Dort hinten scheint er einen leichten Stich ins violette bekommen zu haben. Und noch immer tost der Sturm. Bald werden sich schwarze Astgerippe dem papierweißen Himmel entgegenrecken. Bald wird die grau und gelb gewordene Wiese, die jetzt wie eine Steppe scheint, vom Schnee bedeckt sein. Dann wird es keinen Unterschied mehr geben zwischen Himmel und Erde, weiß in weiß, und die Bäume recken ihre schwarzen Äste hinauf.
Doch noch haben wir nicht Dezember. Der Sturm tobt mit eisiger Kälte. Auf dem leicht violett wirkenden grau des Himmels tanzen schwarze Punkte, Raben und Krähen. Im Haus ist es warm und angenehm. Rauch steigt nicht auf, sondern wird vom Wind davongetragen. Manchmal regnet es jetzt auch. Schauerlich klingende Trommelwirbel auf den großen kalten Fenstern. Das Pfeifen und Fauchen des Windes begleitet die Trommelwirbel, mischt sich in das Konzert. Fern klingt es und doch ganz nahe. Und noch haben wir nicht einmal Dezember.
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